Datenzugang und vernetzte Fahrzeuge betreffen jeden, der Autos repariert, sie ein- und verkauft, Ersatzteile, Zubehör, Betriebsstoffe oder Lacke für sie produziert oder mit diesen Waren handelt. Der Gesamtverband Autoteile-Handel (GVA) und sein europäischer Dachverband FIGIEFA setzen sich seit Jahren vehement für klare gesetzliche Regelungen ein, die allen am Service- und Reparaturmarkt Beteiligten gleiche Zugangschancen zu via Fernzugriff erlangten technischen Daten einräumen.

Mit der Open Telematic Platform hat der freie Markt gleich ein Konzept für eine technische Lösung mitgeliefert. Im Kern sieht die Lösung vor, dass alle erzeugten und gespeicherten Daten im Fahrzeug abrufbar bleiben oder alternativ die Daten an eine neutrale frei zugängliche Plattform übertragen werden. „Die IAM-Akteure müssen auf Wunsch des Autofahrers Zugriff auf die im Fahrzeug gewonnenen Daten erhalten, um eigene Produkte und Dienstleistungen für das vernetzte Fahrzeug entwickeln und anbieten zu können. Dieser Zugriff muss direkt und zeitnah möglich sein, ohne dass die Daten über Systeme des Fahrzeugherstellers geleitet werden. Andernfalls erhalten die Fahrzeughersteller in Zeiten von Big Data die Kontrolle über ihre Wettbewerber aus dem freien Kfz-Aftermarket. Sie hätte damit die Grundlage für ein Monopol“, warnte GVA-Präsident Hartmut Röhl vergangene Woche auf dem Jahreskongress des Verbandes eindringlich.

Um die Position des freien Reparaturmarktes erfolgreich auf politischer Ebene in Brüssel zu etablieren, wurde beschlossen, den Beitrag zur Finanzierung der FIGIEFA aufzustocken. Vor allem die Teilehersteller erhöhen hier ihre finanzielle Beteiligung deutlich. Mit den zusätzlichen Mitteln soll die Lobbyarbeit des GVA und der FIGIEFA rund um das Thema Telematik und Datenzugang gefördert werden. Unter anderem auch, um die rechtlichen Fragen rund um das Thema eCall, Fahrzeugvernetzung und Datenzugang zu klären. Denn die sind wie Dr. Thomas Funke (s. Foto oben), Marcus Sacré und Dr. Marc Störing , alle drei Rechtsanwälte der Anwaltskanzlei Osborne Clarke aus Köln, in ihrem gemeinsamen Vortrag beim GVA-Kongress klar machten, ausgesprochen vielschichtig und keineswegs einfach zu beantworten. Allein die Frage, wem die Daten gehören, die im vernetzten Auto künftig erfasst und gesammelt werden, berührt gleich mehrere Rechtgebiete und lässt sich sicher nicht mit der von den Fahrzeugherstellern verwendete Formel „unsere Autos, unsere Daten“ beantworten. Ganz zu schweigen von der Frage, wer die Daten wann auf welchem Weg auslesen und nutzen darf. Für die juristischen Auseinandersetzungen scheinen GVA und FIGIEFA mit den Kölner Fachanwälten für Wettbewerbsrecht auf jeden Fall gut gerüstet.

Um die Zusammenhänge und Hintergründe zu dem komplexen Thema möglichst einfach darzustellen, hat die FIGIEFA eine so genannte simple show produziert. Der Trickfilm ‚FIGIEFA – Simpleshow: Das vernetzte Auto‘ erklärt in einfachen Worten, warum ein gesetzlich regulierter Datenzugang für den freien Wettbewerb in Europa wichtig ist. Den Film kann jeder interessierte Betrieb mit einem Link in seine Homepage einbinden und so auch die eigenen Kunden für das Thema sensibilisieren. http://www.gva.de/website/de/mediencenter/videoarchiv.php

Autor und Bild: Frank Schlieben